Angst vor der Wahrheit

Wie du die Angst vor der Wahrheit besiegst

Hast du Angst vor der Wahrheit? Wenn du diese Frage jetzt spontan mit „Ja“ beantwortest, bist du den meisten anderen Menschen bereits überlegen. Und auf dem besten Weg, jede Angst zu überwinden. Denn solange wir uns hinter der Wahrheit verstecken, dringen wir selten bis zur Wurzel unserer Ängste vor. Weil wir dann den Umstand, der uns Unbehagen bereitet, wie unter einer dicken Eisschicht für immer konservieren. Das einzige, was hilft, ist die Wahrheit.

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Was ist Wahrheit?

Eine schwierige Frage, denn jeder Mensch hat eine andere Wahrheit. Marc Aurel sagte: „Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“ Jeder sieht die Welt mit seinen Augen und so wie du sie siehst, ist sie für dich wahr.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Stell dir vor, du sitzt mit drei Freunden an einem quadratischen Tisch. In der Mitte steht eine Milchkanne mit einem großen Henkel.

Du sagst: „Da steht eine Kanne auf dem Tisch, deren Henkel zu mir zeigt.“

Dein Gegenüber antwortet: „Nein, das stimmt nicht. Der Henkel zeigt zu mir.“

Ein anderer meldet sich zu Wort: „Ihr habt beide Unrecht. Der Griff zeigt eindeutig nach rechts.“

Woraufhin der letzte Tischnachbar bemerkt: „Alles falsch – in Wahrheit zeigt der Griff nach links“.

Wer sagt nun die Wahrheit? Eindeutig jeder! Denn aus seiner jeweiligen Perspektive betrachtet, ist die Wahrheit immer anders. Mal ganz abgesehen davon, dass also jeder seine subjektive Wahrheit hat, gibt es aber auch objektive Tatsachen, die man zwar leugnen, aber dennoch nicht ändern kann, wie zum Beispiel:

  • Ich habe eine Glatze
  • Du verdienst nur 1.300 Euro netto im Monat
  • Ein Mensch lebt nicht ewig
  • Du bist X Jahre alt
  • Der Tag hat nur 24 Stunden

Tatsachen sind so wie sie sind – und zwar für jeden. Bei der Angst vor der Wahrheit geht es in der Regel immer um die objektive Wahrheit. Um einen Sachverhalt, zu dem wir nicht stehen, den wir gerne ausblenden, wenn möglich beschönigen oder am liebsten unter den Teppich kehren.

Woher kommt die Angst vor der Wahrheit?

Furcht und Angst im Allgemeinen sind so alt wie die Menschheit. Sogar noch viel älter, denn auch Tiere empfinden Angst. Deshalb ist die Angst in deinem aufsteigenden retikulären Aktivierungssystem (ARAS) angesiedelt. Dies ist der Teil unseres Reptiliengehirns, der in Momenten der Gefahr das Kommando übernimmt. Er wird aktiv, wenn wir innere oder äußere Stressfaktoren als Bedrohung für unsere Existenz wahrnehmen.

Als Reptiliengehirn wird der Hirnstamm bezeichnet, weil er in der Evolutionsgeschichte der älteste Bereich des menschlichen Gehirns ist. Dort werden die Grundfunktionen für unser Überleben verarbeitet. Hierzu gehören auch die Instinkte.

Wenn wir Gefahr spüren reduziert unser Gehirn schlagartig die gesamte Wahrnehmung auf das, was für das eigene Überleben am notwendigsten ist. Alle anderen Informationen und Signale werden ausgeblendet.

Aus diesem Grund sind Menschen während einer Panikattacke fast blind für vernünftige Argumente. Denn im Zustand der Angst fehlt uns sozusagen der Überblick, um die Situation souverän zu beherrschen. Wie bei einem Pferd mit Scheuklappen reduziert sich unser Blickfeld in einer solchen „Notsituation“ auf die scheinbar verbleibenden Optionen. Diese heißen oft:

  • angreifen
  • fliehen
  • sich verstecken
  • oder tot stellen (leugnen)

Man kann vor allem und jedem Angst haben – auch vor der Wahrheit

Während man Angst noch im alten Griechenland immer auf ein konkretes Objekt bezog und vor allem als eine physische (körperliche Reaktion) verstand, entwickelte sich der generelle Begriff der „Angst“ erst später. Heute offenbart sich Angst mit unzähligen subjektiven psychologischen Facetten.

Die Psychologie beschäftigt sich mit

650 Phobien

So viele Menschen leiden unter Ängsten

20 %

Es gibt unterschiedlichste Ausprägungen von Angst wie zum Beispiel:

  • 1. Angst vor der Zukunft
  • 2. Angst vor der Geburt
  • 3. Angst vor der Liebe
  • 4. Angst vor der Schule
  • 5. Angst vor der Nacht
  • 6. Angst vor Spinnen
  • 7. Angst vor der Fahrprüfung
  • 8. Angst vor der Hochzeit
  • 9. Angst vor der Trennung
  • 10. Angst vor der OP

Was macht die Angst vor der Wahrheit so besonders?

Man könnte annehmen, dass die Angst vor der Wahrheit zunächst einmal nichts Besonderes ist. Nur eine Angst wie jede andere. Aber weit gefehlt, denn die Angst vor der Wahrheit ist wirklich von ganz besonderer Bedeutung. Denn man muss sich immer zuerst der Wahrheit stellen, bevor man irgendeine Angst überwinden oder mit ihr leben kann. Das gilt übrigens für alle Formen von Ängsten und Phobien. Auch für die Angst vor der Wahrheit selbst, welche dabei eine Schlüsselrolle spielt.

Das Problem:

Angst wird in unserer Gesellschaft oft als Schwäche ausgelegt. Und wer will schon gerne als Angsthase, Hasenfuß oder Feigling gelten. Wir wollen keine Memme und kein Schisser oder Weichling sein. Im Gegensatz dazu gelten mentale Stärke und Mut als Geheimwaffen für den Erfolg.

Das Dilemma:

Wenn du zum Beispiel eine höllische Angst vor Spinnen hast, dann ist diese Angst für dich absolut real und wahr. Schwierig wird es, wenn du gleichzeitig Angst hast, dir diese Furcht einzugestehen. Vielleicht weil du eine gesellschaftliche Abwertung befürchtest. Man kann Probleme aber nicht lösen, indem man sie vertuscht, sondern nur indem man sie beim Namen nennt.

Wie kannst du dieses Dilemma lösen?

Der Weg aus der Angst führt durch die Angst!

Unser angeborenes Verhalten im Angesicht von Gefahr ist ein lebenswichtiger Fluchtinstinkt: Angst! Doch genau das ist unser Problem, denn es führt dazu, dass wir von unseren Ängsten beherrscht werden.

Unsere Vorfahren lernten angesichts von tellergroßen Spinnen und giftigen Schlangen sehr schnell: Bei Bedrohungen, war es oft klüger, die Flucht zu ergreifen.

Allerdings lebten vor damals auf diesem Planeten auch allerlei für den Menschen äußerst gefährliche Kreaturen. Dem hatte der Mensch nichts entgegenzusetzen. Wer einen Säbelzahntiger mit seiner Courage beeindrucken wollte, versuchte dies oft nur ein einziges Mal. Und die Artgenossen behielten den mutigen Menschen und sein trauriges Schicksal in guter Erinnerung.

Die wilden Tiere sind längst verschwunden, aber unsere angst-typischen Reaktionen blieben. Wie bereits erläutert, ist Angst an und für sich etwas Gutes. Denn möglicherweise sitzen wir beide nur deshalb hier, weil unsere Vorfahren zum Glück richtige „Angsthasen“ waren.

Doch lebensbedrohliche Situationen sind heute zum Glück äußerst selten. Der moderne Mensch hat daher oft Angst vor „zahnlosen Tigern“. Das heißt vor Dingen und Gegebenheiten, die uns zwar echte Angst einjagen, aber im Grunde keinen wirklichen Schaden zufügen können.

Wenn du aber eben in diesen Fällen – entsprechend deinem angeborenen Denkmuster – mit „Flucht“ im Sinne von Vermeidung oder Verleugnung reagierst, wirst du deine Angst nicht mehr los.

Viel besser ist es daher, wenn du dir deine Ängste ehrlich eingestehst und dich bewusst mit diesen Umständen auseinandersetzt. Nur dann kannst du erkennen und lernen, dass die angstbesetzten Situationen oder Objekte eigentlich harmlos sind.

Der Weg aus deiner Angst führt also nur durch die Angst. Und die Grundvoraussetzung dafür ist, dass du keine Angst vor der Wahrheit hast.

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